Unbetitelt
L.A. Noire oder: Spiele, die meine Augen nicht nur rechteckig, sondern achteckig machen

L.A. Noire gehört definitiv zu einem meiner drei Lieblingsspiele zur Zeit. 

Als ich die ersten Bilder und Kommentare zu L.A. Noire gesehen und gelesen habe war mir klar: Ich brauche nun ganz ganz dringend eine Xbox360. Sobald mein Budget mir diese Anschaffung erlaubte, rannte ich in den nächsten Pro-Media-Saturn-Hansa Markt und erleichterte meinen Geldbeutel. Für das Spiel hat es zwar dann nicht mehr gereicht, allerdings stand mein bester Kumpel wenige Tage später mit dem Spiel in der Hand vor meiner Tür - die wohl schönste Überraschung für mein kleines Gamer-Herz! 


Die Balance zwischen Denkaufgaben und Action ist sehr gut gelungen. Als Spieler ist man gezwungen sich sowohl mit den Aussagen der verschiedenen Charaktere zu befassen, also auch mit deren Lebenssituation. Man kann z. B. ein Verhör an einer Schauspielerin nicht nach den gleichen Maßstäben durchführen, wie eines an einer normalen Angestellten. Dies ist ein Umstand, den ich mir schon immer gewünscht habe. Unzählige Male saß ich vor einem Spiel und interpretierte in Aussagen, Personen etc. Sachen hinein, was das Zeug hält. Jedoch wurde ich jedesmal enttäuscht. Hier jedoch verhält es sich genau so! Die Vielschichtigkeit ist faszinierend. Um also einen Fall ordentlich abzuschließen muss man sich mit der Geschichte und den Charakteren intensiv befassen. Dies sorgt dafür, dass man sich wirklich in dem Spiel “verliert”, also alles um sich herum vergisst. 

Aber auch Verfolgungsjagden und Schießereien kommen nicht zu kurz. Regelmäßig und eigentlich immer zum richtigen Zeitpunkt wird man aus dem “Ermittlungstrott” gerissen. Ab und an kommt es dann schon mal vor, dass eine Auto-Verfolgungsjagd derart rasant ist, dass man an ihr zu scheitern droht. Aber auch hier haben die Entwickler an Spieler wie mich mit einer relativ niedrigen Frustationsgrenze gedacht und eine Option eingebaut, durch die man nach einer bestimmten Anzahl von gescheiterten Versuchen das Event ohne negative Folgen überspringen kann. Dies regt überraschenderweise nicht dazu an die Events nicht mehr ernst zu nehmen und alles nur halbscharig zu versuchen, sondern motiviert Spieler wie mich dazu es trotzdem so lange zu versuchen, bis man es geschafft hat - nur ohne den Druck, lediglich eine bestimmte Anzahl an Versuchen zu haben. 

Beeindruckend ist die Liebe zum Detail. Die umwerfende neue Grafik ist ja hinlänglich bekannt. Aber das allein würde vielleicht nicht für meine Faszination reichen. Besonders imponiert mich, dass jeder Mensch, der auf den Straßen von L.A. Noire herumläuft, wirklich existiert. Es gibt keine vorgefertigten Charaktere, bei denen der eine dem anderen gleicht (jedenfalls ist mir noch keiner aufgefallen). Wenn man Officer Phelbs beobachtet, wie er auf der Stelle steht, dann bewegen sich nicht nur sein Kopf und die Gliedmaßen, es bewegen sich sogar die Augen. Die Mimik ist derart beeindruckend, dass ich schon einige Zeit damit verbracht habe, einfach nur Gesichter zu betrachten. 

Natürlich gibt es auch in einem L.A. Noire ein paar Bugs. Es sind allerdings nur Kleinigkeiten und sie behindern den Spielfluss in keinster Weise. Wenn man jedoch jemand ist, der nur auf Bugs wartet, dann kann man natürlich auch in diesem Spiel etwas Zeit mit Fluchen auf die Entwickler verbringen. 

Gamer wie ich, die sich an innovativen und liebevollen Spielen erfreuen wollen, werden jedoch viele Stunden total begeistert und mit weit aufgerissenen Augen vor dem Bildschirm verbringen.

 

// R1k3 [912]